Gemeinde in der Corona-Virus-Krise

Liebe Gemeindemitglieder von St. Stephanus und St. Georg,

die Auswirkungen der Coronaviruspandemie erreicht in immer größerem Ausmaße unsere Gesellschaft und schränkt das öffentliche Leben ein. Dies betrifft natürlich auch unser kirchliches Leben, und zwar in einem Maße, in dem es sich wohl niemand hätte vorstellen können:

Alle Gottesdienste und kirchliche Veranstaltungen finden bis zum 19. April nicht statt (betrifft auch die Kar- und Ostertage, die Erstkommunionen und die Firmung), Hochzeiten und Taufen bis Ende Mai müssen abgesagt und verschoben werden, Requiem und Trauerfeiern müssen nachgeholt werden.

Jeder einzelne Gottesdienst, jede einzelne Feier oder Veranstaltung, die nicht stattfindet oder abgesagt werden muss „tut mir weh“, und es tut mir für die Betroffenen sehr leid.

Doch alle Termine können/werden nachgeholt.

Und wir dürfen vor allem die nicht vergessen, die in weit größerem Ausmaß vom Coronavirus betroffen sind: Die Erkrankten, die Toten (und ihre Familien), die Menschen, die in Krankenhäusern oder Altenheimen vergeblich auf Besuch warten, diejenigen, die isoliert sind, Menschen, die in ihrer beruflichen und wirtschaftlichen Existenz bedroht sind, Frauen und Männer, die im Gesundheitswesen arbeiten, und die bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit beansprucht sind.

Der gefährlichste Virus, der uns in diesen Zeiten befallen kann ist der Virus Angst.

Angst war schon immer eine schlechte Ratgeberin.

Angst lähmt das Herz und macht lebensunfähig, bringt Panik und Egoismus hervor, verstärkt Vorurteile.

Was aber unsere Gesellschaft ganz besonders in diesen Krisenzeiten braucht ist Solidarität, Rücksicht aufeinander, die Bereitschaft einander zu helfen!

Und auch, wenn wir uns nicht zum Gebet, Gottesdienst und zur Eucharistiefeier versammeln dürfen (denn Menschenansammlungen sind auf jeden Fall zu vermeiden!), so bleiben wir doch eine im Gebet verbundene christliche Gemeinde. So können und müssen wir weiter miteinander und füreinander beten: um Heilung, Mut und Ausdauer, Geduld und Kraft, Vertrauen in Gottes Nähe und Begleitung – für alle Betroffenen und Verantwortlichen.

In einem Gebet von Dietrich Bonhoeffer heißt es:

In mir ist es finster,
aber bei DIR ist das Licht.
Ich bin einsam,
aber DU verlässt mich nicht.
Ich bin kleinmütig,
aber bei DIR ist die Hilfe,
Ich bin unruhig,
aber bei DIR ist der Friede.
In mir ist Bitterkeit,
aber bei DIR ist die Geduld.
Ich verstehe DEINE Wege nicht,
aber DU weißt den Weg für mich.

Es sind Worte, die mir schon in mancher und durch so manche Krisenzeit geholfen haben.

Natürlich bin ich als Pfarrer, sind wir in der Seelsorge und im Pfarrbüro –wenn auch im eingeschränkten Maße – für Sie weiterhin da! (siehe Hinweise)

Wie lange diese „Krisensituation“ anhalten wird und wie es danach weitergehen wird?

Weiß ich nicht!

Diese Situation ist für uns alle so neu, dass wir von Tag zu Tag dazulernen.

Ich bin sehr optimistisch, dass wir gemeinsam (mit Geduld und Verständnis füreinander) Lösungen finden werden. Misstrauen sie allen, die es ja schon immer wussten, was man machen soll, und die auch jetzt auf alles eine einfache Antwort wissen – meistens sind es Menschen, die keine Verantwortung für andere übernehmen müssen. Und wie immer wird auch „im Netz“ und in den sog. „sozialen Netzwerken“ viel Unsinn verbreitet.

Vorsicht,

Verantwortungsbewusstsein,

Sorge füreinander und für sich selbst

sind sehr wichtig.

Aber Unruhe,

Angst und Panik dürfen unsere Herzen

nicht beherrschen!

Im Gebet mit Ihnen verbunden

und mit herzlichen Segenswünschen,

Pfarrer Harald Golla